Rückblick

Mein Literatur-Dezember – Das „Making-of“ mit Bonusmaterial des Regisseurs

Einige hatten es ja bereits befürchtet und ich selbst auch irgendwie vorausgesehen: Sehr lange habe ich es ohne einen eigenen Literaturblog nicht aushalten können.

Vor einem halben Jahr hatte ich meinen alten Twitter-Account reaktiviert und mich schon sehr bald meinem Lieblingsthema, der Literatur, zugewandt. Nachdem mir die engen Grenzen meiner Ein-Tweet-Buchempfehlungen schnell bewusst geworden waren, gab mir die Literaturbloggerin und „Rezensionsnerdista“ Yvonne die tolle Gelegenheit, meine Rezensionen auf ihrem Blog als Gast veröffentlichen zu dürfen. Das hat wunderbar funktioniert und war für mich immer eine große Freude. Auch konnte ich auf diese Weise einige Zeit Einblick in den Alltag eines Blogs nehmen. Nochmal vielen Dank dafür an Dich Yvonne.

Überhaupt habe ich in den letzten Monaten zahlreiche tolle und sympathische Literaturblogger/-innen mit vielen wunderbaren und liebevoll gestalteten Blogs kennengelernt. Das alles hat mir so gut gefallen, dass ich mich kurzerhand dazu entschloss, meine Buchvorstellungen und Themen auf einem eigenen Literaturblog zu veröffentlichen. In einer (bzw. mehreren) Nacht-und-Nebel-Aktionen, kämpfte ich mich durch die Tücken von Providern, WordPress, Zertifikaten und dem ganzen dazugehörigen Gedöns. Am Ende konnte ich dann irgendwie meinen eigenen Blog „Horatio-Bücher“ ans Laufen bringen. Und hier stehe ich nun und freue mich sehr über jede Besucherin und jeden Besucher, die bei mir auf dem Blog oder auch auf Twitter hereinschauen.

Bücher hat es im Dezember für mich allerdings auch gegeben: 

Der Monat begann sehr gut mit Shirley Jacksons Roman „Spuk in Hill House“ aus dem Jahr 1959. „FrauenLesen“ auf Twitter und, mit einem interessanten Portrait zur Autorin, nicht zuletzt auch „letterrausch“ auf der Plattform YOURBOOK.SHOP, hatten mir diesen Gruselklassiker empfohlen. Ein Meilenstein des Genres, der auf Schockmomente verzichtet, dafür aber langsam aufbauende Gänsehaut garantiert, gut erzählt ist und erstmals die Psychologie des Horrors in die Handlung einbezieht. Die größte Herausforderung war dann auch mein Profilfoto zum Buch, für das ich ergebnislos über einige schmutzige Dachböden geklettert bin, nur um es schlussendlich in einer düsteren Ecke im hintersten Keller zu schießen. Also alles wunderbar: Gruselige Lektüre, große Foto-Action, wenn da nicht dieser furchtbare „Netflix“ Druck auf dem Umschlag des Buchs gewesen wäre…

Weiter ging es mit Robert Harris „Der zweite Schlaf“. Eine wirklich bemerkenswerte Mischung aus klassischem Mittelalterroman und Science-Fiction. Auf dem Literaturblog „Kaffeehaussitzer“ bin ich auf den Roman aufmerksam geworden. Ich muss gestehen, dass ich Robert Harris in den letzten 25 Jahren gemieden hatte, nachdem ich in den 90ern seinen grandiosen Erstlingsroman „Vaterland“ und gleich im Anschluss daran auch „Enigma“ gelesen hatte. Obwohl beides Pageturner, hatte ich Harris zu Unrecht in die Schublade „Autor von Drittes-Reich-Romanen“ eingeordnet und dann aus den Augen verloren. Viele nachfolgende spannende historische Titel zu völlig anderen Themen habe ich auf diese Weise verpasst. So kann es gehen. „Der zweite Schlaf“ ist ein klasse Roman und Pageturner, der schon früh eine großartige Wendung nimmt. Mehr kann ich ohne Spoiler nicht erzählen. Ich bin froh, wieder einen Harris gelesen zu haben.

Mitte Dezember überkam mich dann ein Nostalgie-Anfall infolgedessen ich ein Portrait über ein Literaturerlebnis aus meiner Kinderzeit verfasst habe. Die Jugendbuchreiche „Commander Perkins“ aus dem Franz Schneider Jugendbuchverlag, hat mir als Kind die Welt der Science-Fiction eröffnet. Überhaupt habe ich damals die sogenannten Schneiderbücher geliebt. Nachdem dieses Thema einige Wochen zuvor bereits auf Twitter, in unserer wunderbaren Retro-Gaming-Nerd-Bubble, fleißig diskutiert worden war, war der Zeitpunkt für den ersten Artikel auf meinem brandneuen Blog gekommen. Er wurde zu einer Hommage. Vielen Dank an alle Nerds unserer tolle Bubble, die immer wieder für wunderbare Überraschungen gut sind.

Auf der Plattform YOURBOOK.SHOP war ich auf den wunderbar leichten, mediterranen Roman „Träume und Kulissen“ von Alida Bremer aufmerksam geworden und hatte ihn sofort bestellt. Eigentlich ein 1936 in Split spielender Krimi, handelt es sich eher um die Annäherung an einen Sehnsuchtsort. Hinter jeder Seite verbergen sich mediterrane Düfte und kulinarische Köstlichkeiten der malerischen Adriaküste. Ein Genuss für die Sinne vor dem ernsten Hintergrund eines „Casablanca“ Szenarios am Vorabend des zweiten Weltkriegs. Sehr gelungen.

Den Abschluss bildete dann, zwischen den Jahren, meine erneute Lektüre von Erich Kästners heiteren Winterklassiker „Drei Männer im Schnee“. Die wunderbare Ausgabe des Atrium Verlags war für mich eine große Entdeckung. Zusätzlich zum Roman findet sich darin Kästners kleine sechsseitige düstere, grausame Erzählung „Inferno im Hotel“, die einige Jahre früher erschienen, tatsächlich die Keimzelle der Komödie gewesen ist und meine Rezeption des Werks völlig veränderte. Hatte ich „Drei Männer im Schnee“ in den 1990ern noch als einfache, harmlose Komödie gelesen, bekam der Roman plötzlich eine ungeahnte sozialkritische Schärfe und Tiefe, die mich sehr beeindruckt und restlos begeistert. Diese für mich neue Vielschichtigkeit des Romans passt auch wesentlich besser zu Erich Kästner und wertet die Komödie noch einmal auf. Sie ist jetzt meine (Neu-) Entdeckung des Monats und mein Weihnachtstipp!

Uns allen einen guten Rutsch und auf ein Wiedersehen 2022! 

Horatio

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