Horatio Bücher April 2022
Rückblick

Rückblick: Lektüre im April – „Ein Buch, das geschrieben werden musste!“

Gleich zu Beginn bescherte mir der April ein Buch, das mich sehr berührt hat und zu einer Art Herzensangelegenheit geworden ist. Andreas Fischer, „Die Königin von Troisdorf“ [Werbung, kostenloses Rezensionsexemplar]. Obwohl als Roman tituliert, ist es genauso auch Autobiographie und Dokumentation. Tatsächlich entzieht sich das Buch einer starren Einordnung: Familiengeschichte; Kriegsenkelroman; Dokumentation des Lebens in der BRD der 60er und 70er Jahre; Analyse generationsübergreifender kriegsbedingter Verluste und Traumata; Autobiographie. Immer bestens beobachtet, erinnert und gut erzählt. Schon oft musste ich in der Vergangenheit darüber nachdenken, wie man heutigen Generationen von den 60er/70er Jahren berichten kann. Eine Gesellschaft, die bereits zu neuen verheißungsvollen Ufern aufgebrochen, zugleich aber noch sehr stark geprägt war vom Ungeist der Vergangenheit. „Die Königin von Troisdorf“ ist für mich ein wirklich gelungenes Werk zur Annäherung an dieses schwierige Thema. Andreas Fischer ist ein eindrucksvolles, sehr persönliches und tief bewegendes Zeitdokument gelungen. Er blickt nicht einfach nostalgisch zurück, sondern bringt die Verblendungen, Kälte und Verletzungen der Nachkriegsgenerationen ans Tageslicht. Es ist ein faszinierender Roman und Schlüssel zum tieferen Verständnis dieser Zeit. Ich kann es nicht anders sagen: Ein Buch, das geschrieben werden musste.

Weiter ging es mit der auf diesem Blog eher seltenen Vorstellung eines Sachbuchs, in Form einer Kurzrezension: Felicitas Mokler, „Astronomie und Universum – Was wir über das Weltall wissen“. Hauptsächlich stelle ich auf diesem Blog ja eigentlich Romane vor. Da ich mich aber als Nerd bezeichne und auch die Science-Fiction-Literatur hier ein viel beachtetes Genre darstellt, habe ich auch sehr gerne über diesen reich bebilderten Band berichtet. Allen die an der Materie interessiert sind und die (wie ich) eher angestaubte Literatur zur Astronomie und Astrophysik im Regal stehen haben, bietet sich hier die Gelegenheit, ihr Wissen wieder auf den neusten Stand zu bringen. Die Autorin ist zudem Astrophysikerin und Wissenschaftsjournalisten. Das reich bebilderte Buch ist also auch kenntnisreich geschrieben. Es richtet sich an wissenschaftsinteressierte Laien, die nicht unbedingt auch Nerds sein müssen. Ein bisschen Hintergrundwissen ist ja bei Star Trek und Co. auch nicht ganz verkehrt.

Beim folgenden Roman von Michael Basse, „Yank Zone“ [Werbung, kostenloses Rezensionsexemplar] war ich dagegen etwas zwiegespalten. Thema: Der Amerikaner und die Welt. Der amerikanische Veteran Lt. Colonel Ross Raymond Harman trifft mit seiner amerikanischen Kneipe auf die Nachkriegs-BRD, speziell auf die schwäbische Provinz. Eine spannende literarische Annäherung an die Dominanz und Attraktivität der amerikanischen Kultur und deren Eigenschaften bei der Transformation ganzer Gesellschaften. Scharf beobachtet, gut recherchiert, provokant und auch sehr aktuell. Leider kommt die Geschichte der Protagonisten dabei zu kurz. Weniger ein erzählender Roman, mehr ein Zeitzeugnis.

Zu guter Letzt stand auch im April wieder ein Science-Fiction-Roman auf dem Programm. Phillip P. Peterson, „Universum“. Ein Roman, bei dem es nicht ganz einfach war, ihm gerecht zu werden. Ich habe ja ein Faible für die „Hard-Science-Fiction“ also sehr verkürzt gesagt SF-Geschichten, die auf einer wissenschaftlichen oder zumindest pseudowissenschaftlichen Grundlage beruhen. Um eine solchen Roman handelt es sich hier. Der Autor ist als Wissenschaftler und Raumfahrttechniker vom Fach und hat den wirklich spannenden, kammerspielartigen Plot in einen nachvollziehbaren, extremen astrophysikalischen Hintergrund eingebettet. Die Geschichte eines Raumschiffs, dass aufgrund eines Unfalls an die Grenzen von Raum und Zeit katapultiert wird. Und vielleicht darüber hinaus. Ein wunderbares Thema. Auch aus philosophischer Sicht äußerst interessant. Und dann auch noch ein Pageturner. Eigentlich prima. Aus literarischer Perspektive weist der Roman allerdings erhebliche Unzulänglichkeiten auf, die die Freude an der Lektüre einschränken. Das sollte actionorientierte Nerds jedoch keinesfalls abschrecken.

Zur Zeit lese ich den Roman „Die Paradiese von gestern“ von Mario Schneider [Werbung, kostenloses Rezensionsexemplar]. Ein junges Paar aus Ostdeutschland verbringt kurz nach der Wende einen Urlaub in Südfrankreich. Alter verblassender französischer Adel, Kapitalismus und Sozialismus treffen in traumhafter Atmosphäre aufeinander. Wunderbar und einfühlsam erzählt. Alles weitere dann im nächsten Rückblick.

LG Horatio

2 Kommentare

  • Lena Riess

    Wirklich ein beeindruckendes Pensum, das Du da monatlich bewältigst. Bei der Königin von Troisdorf habe ich mir schon ein paar mal überlegt, ob …
    Aber ich hänge ja immer mit meinen alten Schinken rum.
    Grüsse!

    • Horatio-Bücher

      Vielen Dank für die Rückmeldung. Tatsächlich habe ich im April trotz des schönen Wetters viel gelesen. Das lag sicher an den tollen Büchern. Deine sog. „alten Schinken“ sind so wunderbare Sachen, denen müsste ich mich eigentlich viel mehr zuwenden. LG Horatio 🙂

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