• Belletristik

    Solvej Balle, „Über die Berechnung des Rauminhalts I“

    „Begeisterung für Bücher“ ist das Motto dieses Blogs, und ab und zu trifft man auf Lektüren, die es einem ganz besonders leicht machen, sich ganz und gar für sie zu begeistern. Bei dem nur 170 Seiten kurzen Roman „Über die Berechnung des Rauminhalts I“, der dänischen Autorin Solvej Balle ist das der Fall. Solvej Balle wurde 1962 in Bovrup (Nordschleswig) geboren. Nach Studium der Literatur und Philosophie in Kopenhagen, veröffentlichte sie 1984 ihren ersten Roman. Sie gilt als sehr bedeutende dänische Autorin, über die zu lesen ist, dass sie in den 1990er Jahren eines der berühmtesten Werke der dänischen Literatur geschrieben hat. Die auf sieben Bände ausgelegte Buchreihe „Über die Berechnung des Rauminhalts“ wird als ihr großes Comeback gewertet. Drei…

  • Stephen King, Danse Macabre
    Fantasy,  Sachbuch,  Schauer/Horror

    Stephen King, „Danse Macabre“

    „Der Danse Macabre ist ein Walzer mit dem Tod. Das ist eine Tatsache, und wir können es uns nicht leisten, vor dieser Tatsache zurückzuschrecken. Die Horrorgeschichte bietet die Möglichkeit, etwas zu betrachten, was sich hinter Türen abspielt, die wir normalerweise doppelt verschlossen halten, (…). Doch die menschliche Fantasie gibt sich nicht mit verschlossenen Türen zufrieden. Irgendwo gibt es eine Tanzpartnerin, flüstert die Fantasie in die Nacht hinein – eine Tanzpartnerin in einem verrotteten Ballkleid, eine Partnerin mit leeren Augenhöhlen, grünem Schimmel auf den ellbogenlangen Handschuhen, Maden, die im verbliebenen schütteren Haar wuseln. Ein solches Geschöpf in den Armen halten? Wer, fragen Sie mich, würde so verrückt sein? Nun…?“ In diesem Augenblick, unmittelbar nach der Lektüre, muss ich zunächst einmal gestehen,…

  • Horatio Bücher
    Belletristik

    Mariana Leky, „Kummer aller Art“

    In Mariana Lekys kleinem, lediglich 170 Seiten schmalen Büchlein „Kummer aller Art“, habe ich rekordverdächtig viele Markierungen hinterlassen. Passagen, die ich gelungen, geistreich, gut beobachtet, amüsant, rührend oder einfach nur erwähnenswert finde. Ganz offensichtlich hat mich „Kummer aller Art“ besonders berührt. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Gerne möchte ich näher davon berichten. „Kummer aller Art“ ist eine Sammlung literarischer Kolumnen, die erstmals in dem Magazin „Psychologie Heute“ erschienen sind. Allesamt knappe, zumeist nur drei bis vier Seiten lange Texte. Kleine bescheidene, aber überaus präzise Beobachtungen aus dem Alltag. Einsamkeit, Flugangst, Schlaflosigkeit, Abschied, aber auch Schlüsseldienste, Überraschungspartys und Zugverspätungen, stehen im Zentrum der wunderbar ausgewählten Episoden. Mariana Lekis „Kolumnistinnen-Ich“ erzählt mitten aus dem Leben. Da ist die Nachbarin Frau Wiese.…

  • Cover Die Königin von Troisdorf
    Biographie,  Gesellschaftsroman

    Andreas Fischer „Die Königin von Troisdorf“

    Mit großen Erwartungen hatte ich dem Eintreffen des Romans „Die Königin von Troisdorf“ von Andreas Fischer entgegengesehen. Die Familiengeschichte des Autors. Ein Roman über das Aufwachsen in der Bundesrepublik der 60er und 70er Jahre. Gutbürgerliche Fassade, dahinter die Menschen geprägt durch zwei Weltkriege, Wilhelminismus und dem Gift des Nationalsozialismus. Ideologische Verblendung und nicht verarbeitete, traumatische Kriegserlebnisse, die noch über Generationen hinweg das Leben aller Beteiligten beeinflussen. Ein großes, ein wichtiges Thema. Ich darf schon an dieser Stelle vorwegnehmen, dass meine Erwartungen keinesfalls enttäuscht, ja übertroffen wurden.  [Werbung, weil kostenloses Rezensionsexemplar] Andreas Fischer ist Jahrgang 1961 und hat eine Kindheit in den 60er und 70er Jahren erlebt. Eine Zeit die noch geprägt war von den Generationen zweier Weltkriege. Abitur, Zivildienst und…

  • Belletristik,  Fantasy

    Stefan aus dem Siepen „Das Seil“

    Als Bernhardt, die Pfeife zwischen den Zähnen, seinen Abendgang machte, lagen die kleinen Holzhäuser des Dorfes im Dunkeln, die Läden vor den Fenstern waren geschlossen, hier und dort schlängelte sich Rauch von einem strohgedeckten Dach dem Himmel entgegen, an dem das gelbweiße Mondlicht die Sterne verscheuchte. Mit dieser Idylle beginnt Stefan aus dem Siepens (*1964 in Essen) kleiner Roman „Das Seil“. Die Geschichte spielt zu irgendeiner nicht näher bekannten Zeit, in einem kleinen weit abgelegenen Dorf, das von dichtem Wald umgeben ist. Auf dem abendlichen Rundgang um seinen Hof stößt der brave Bauer Bernhardt eines Abends auf das am Boden liegende Ende eines mysteriösen Seils. Quer über die Wiese verlaufend verschwindet es im nahe gelegenen Wald. Heranziehen lässt es sich…